Farbtherapie

Unter dem Fachbegriff Farbtherapie werden alle Behandlungsformen, bei denen die Wirkung von Farben auf die menschliche Psyche und den Organismus eine Rolle spielen, zusammengefasst. Sowohl die Farbgestaltung in einem Raum als auch der bewusste Einsatz von farbigem Licht fallen daher unter die Methodik der Farbtherapie. Man kann dabei die unterschiedlichsten Anwendungsbereiche beobachten, unter denen etwa die Farbbestrahlung, die Farbmediantherapie, die Farbpunktur, die Farbmediation und die Farblichttherapie zu nennen wären. Ansätze wie Kunsttherapie und Maltherapie werden mit der Begründung, dass sie sich aus der schöpferischen Aktivität selbst und nicht zwingend aus der Wirkung der Farben ergeben, nicht zur Farbtherapie gezählt.

Welche Therapieformen können innerhalb der Farbtherapie im Detail unterschieden werden?

Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei der Farbbestrahlung, der Farbmediantherapie, der Farbpunktur, der Farbmediation und der Farblichttherapie um die Hauptformen, wobei auch Formen wie Aura Soma sowie weitere Varianten im Bereich der Farbtherapie von Bedeutung sind.

Bei der Farbbestrahlung wird etwa Blaulicht verwendet, um Entzündungen, Schlafstörungen oder Nervosität zu lindern, während Gelblicht bei Erkrankungen der Leber und bei Hämorrhoiden sowie grünes Licht bei Bronchitis und Gelenkrheuma hilfreich sein soll. Die Farbmeridiantherapie, die auf die Krankengymnastin Christel Heidemann zurückgeht, beschäftigt sich hingegen damit, mit Hilfe von Abtasten des Bindegewebes am Rücken und durch Verwendung von Farbheptagrammen blockierte Meridiane des menschlichen Körpers zu finden. Diese sollen dann durch unterschiedliche Seidenkreise, die in den Naturfarben gehalten sind, therapiert werden, wobei die dem Meridian entsprechende Farbe zur Anregung und deren Komplementärfarbe zur Beruhigung dienen sollen.

Bei der von Peter Mandel eingeführten Farbpunktur handelt es sich um eine Abwandlung der herkömmlichen Akupunktur, bei der die entsprechenden Stellen mit gebündeltem Farblicht behandelt werden sollen. Dabei zeigen sich ebenfalls unterschiedliche Wirkungen, je nachdem, welche Farbe Anwendung findet. Die Farbmediation stellt hingegen eine Form der anthroposophischen Kunst- und Maltherapie dar, bei der man sich voll und ganz der Farbe hingeben soll. So sieht die auf die Farblehre Goethes gestützte Therapieform beispielsweise vor, dass der Gestaltende Farbe in transparenten Lagen übereinander schichtet und erst so entstehen lässt.

Bei der Farblichttherapie wird hingegen die bloße Auswirkung von farbigem Licht auf den Menschen untersucht, was unter anderem auch in der Filderklinik, einer anthroposophischen Einrichtung in Deutschland, gemacht wird. Dabei dringt das Licht durch metallgefärbtes, geschliffenes Glas, das sich aus den Grundsubstanzen Quarz, Kalk und Pottasche zusammensetzt, wobei die Farben durch Metalle wie Gold, Silber, Kupfer oder Eisen erzeugt werden. Bei Aura-Soma, was ebenfalls eine Farbtherapieform darstellt, handelt es sich um ein Therapiesystem, das 1984 von der blinden und angeblich hellsichtigen Engländerin Vicky Wall begründet wurde. Anfangs zur kosmetischen Behandlung gedacht, haben sich ihre Erzeugnisse bald zu einer wahren Therapieform – ähnlich der indischen Medizin – weiterentwickelt. Abgesehen von diesen speziellen Farbtherapieformen wird von einigen Fachexperten auch noch empfohlen, sich gezielt mit bestimmten Farben zu umgeben, die Energie des Wassers durch farbige Edelsteine zu nutzen oder Lebensmittel in speziellen Farben zu essen. Darüber hinaus finden gerade auch in der Wellnessbranche Produkte wie farbige Badezusätze bereits seit Längerem Anwendung.

Welche psychologischen Wirkungen haben Farben tatsächlich?

Von all den menschlichen Sinnen präsentiert sich der Sehsinn als der am stärksten ausgeprägten, was sich auch durch Daten und Fakten bekräftigen lässt. So fallen beispielsweise rund 83 Prozent aller zu verarbeitenden Sinneseindrücke auf den Sehsinn, was dessen Bedeutung bereits gut illustrieren kann. Lediglich 11 Prozent entfallen dabei vergleichsweise auf den Gehörsinn, während sich diese Prozentzahl beim Geruchssinn sogar auf nur 3,5 beschränkt. Nicht zuletzt deswegen ist es einleuchtend, dass Licht und Farben einen so großen Einfluss auf unsere Gemütslage haben, wobei sich gerade diese auch unmittelbar auf die Wahrnehmung von Licht und Farben auswirkt.

Das Auge funktioniert dabei allerdings noch wie eine Kamera, die alles detailgenau und unverfälscht aufzeichnet, damit dann über den Sehnerv ein objektives Bild in das menschliche Gehirn übermittelt werden kann. Dort geht dann allerdings erst das eigentliche Sehen vonstatten, denn das menschliche Gehirn verfügt über drei Arten von farbempfindlichen Zäpfchenzellen, mit denen man lediglich die Farben Rot, Blauviolett und Grün wahrnehmen kann. Erst die unterschiedlichen Mischverhältnisse der jeweiligen Impulse geben dem Gehirn darüber Auskunft, um welchen Farbton es sich tatsächlich handelt, wodurch klar wird, dass die Farbempfindung erst dort entsteht. Bevor die visuellen Informationen allerdings ins Bewusstsein geraten, müssen sie erst den Thalamus, das große Koordinationszentrum des Menschen, das auch als Tor zum Unterbewusstsein bezeichnet wird, passieren. Dort werden Berührungs-, Schmerz- und Temperaturempfinden mit Geschmacks-, Eingeweide- und Gleichgewichtsempfindungen verknüpft, wobei auch alle Impulse mit Gefühlsregungen versehen werden.

Welches Gefühl eine Farbe im Menschen auslöst, entscheidet sich also erst hier und ist von Individuum zu Individuum unterschiedlich. Es ist zwar allgemein bekannt, was die meisten Menschen mit gewissen Farben assoziieren, ob sie diese allerdings als angenehm oder unangenehm wahrnehmen ist nicht mehr einheitlich nachweisbar. Dies ist auf den jeweiligen Charakter des Individuums zurückzuführen, was mit ein Grund dafür ist, dass man der Farbtherapie auch diese besondere Bedeutung zumisst. Allgemein erwiesene Assoziationen wie etwa ein wärmendes Gefühl, das man mit Rot-, Gelb- und Orangetönen verbindet, oder Gemütlichkeit und Behaglichkeit, was man mit Holzfarben in Verbindung bringt, stellen daher nicht das Zentrum der Farbtherapie dar. Vielmehr muss man auf individuelle Wahrnehmungen und Empfindungen eingehen, was diese Wissenschaft auch so komplex macht.

Trotzdem versucht man durch unterschiedliche Testverfahren allgemein gültige Aussagen treffen zu können, wobei vor allem der Lüscher-Farbtest besonders von sich reden machen konnte. Beinahe in allen Praxen und Kliniken wird das einfache Testverfahren eingesetzt, bei dem der Patient oder die Patientin einzig und allein aus den Farben des Lüscher-Farbkastens die ihm oder ihr liebste sowie die zweitliebste und die drittliebste auswählt. Diese Wahl muss man dann nur noch im Fachwerk nachschlagen werden, wobei sowohl die Rangordnung als auch die Kombination der gewählten Farben, vor allem aber auch die abgelehnten Farben eine zentrale Rolle für die Auswertung spielen. Zahlreiche neuere Testvarianten wurden mittlerweile entwickelt und modifiziert, sodass es in diesem Bereich heutzutage schon eine breite Auswahl an Möglichkeiten gibt, die das individuelle Farbempfinden etwas leichter verständlich machen sollen.

Welche energetische Wirkungen haben Farben tatsächlich?

Die Effekte, die farbiges Licht bei der Bestrahlung der Körperoberfläche hervorruft, basieren auf einem vollkommen anderen Prinzip, als dies bei der rein psychologischen Wirkung bei der Betrachtung von Farben der Fall ist. Aus Grundlage für eine Erklärung dieses Phänomens wird etwa die Biophotonenforschung herangezogen, die aussagt, dass die Zellen aller Lebewesen elektromagnetische Schwingungen ausstrahlen. Diese Biophotonen stellen ein regelrechte Form der Kommunikation unter den Zellen dar, wobei die Intensität äußerst gering ist.

Nach den Ansichten von Dr. Fritz Popp befindet sich um den gesamten menschlichen Körper ein Feld an Biophotonen, wodurch ein regulierendes Kraftfeld entsteht, das vor allem bei den zahlreichen biochemischen Prozessen im menschlichen Körper eine wesentliche Rolle spielen soll. Es wird vermutet, dass dieses Feld ständig zwischen zwei Zuständen hin- und herpendelt, wobei der ausgeglichene Zustand das Optimum darstellt. Bei gesundheitlichen Störungen liegt allerdings ein wesentliches Ungleichgewicht vor, weshalb das Ziel einer jeden Therapieform das Einschleusen von Informationen in den Körper, die diesen Zustand ändern können, sein muss.

Neueste Forschungen belegen, dass auch die Haut in der Lage ist, Farbschwingungen aufzunehmen und deren Wirkung in den Körper weiterzugeben. Dabei zeigen sich allerdings einige Stellen der Haut als besonders gut geeignet, wobei es sich dabei vorwiegend um die bekannten Akupunkturpunkte handelt. Weiters hat ein russisches Forschungsteam auch den Nachweis dafür erbracht, dass durch den gesamten menschlichen Körper ein Netz aus Leistungsbahnen für Licht führt, das dem Verlauf der Meridiane in der traditionellen chinesischen Medizin gleicht. Dies beweist daher auch, dass farbiges Licht tatsächlich in der Lage ist, Informationen in den Körper einzuschleusen und weiterzugeben, worauf auch alle energetischen Wirkungen der Farbtherapie beruhen.

Alles in allem ist die Farbtherapie daher ein äußerst interessanter Aspekt der Medizin, der besonders weitreichenden Folgen haben kann, weshalb es ihn auch noch weitgehend zu erforschen gilt.